Nun also auch Papst Benedikt. Nein, kein Doktortitel wurde aberkannt – da spielt er intellektuell dann doch in einer ganz anderen Liga, als unsere Politikerschaft. Ganz freiwillig räumt ein alter Mann den Platz für einen fitteren, rüstigen 70- oder 75jährigen… Spaß beiseite: der Schritt ist beispiellos und verdient höchste Anerkennung. So viel Selbstreflexion wünscht man so manchem allein schon bei ganz profanen Entscheidungen, wie zum Beispiel zum richtigen Zeitpunkt den Führerschein abzugeben. Wie schwer muss es erst fallen, die geistige Führerschaft über eine gute Milliarde Menschen abzulegen.

Ob es auch für die Kirche ein Anstoß zur Selbstreflexion sein wird? Es wäre ein guter Zeitpunkt den eigenen Standpunkt zu überdenken. Eine katholische Kirche, die in ihrem Weltbild, der Sexualmoral und in Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Mittelalter stehengeblieben ist, wird die Lösungen für die Probleme einer modernen, sich weiter drehenden Welt nicht finden können. Vielleicht will sie das auch nicht und ist sich selbst in ihrer selbst erschaffenen Weltinterpretation genug. Dann läuft sie Gefahr, die Menschen nicht nur sich selbst, sondern auch den universellen, vermeintlich christlichen Werten zu entfremden. Werte, die jenseits jeder konfessionellen oder religiösen Zugehörigkeit einen wohltuenden Gegenpol zu den narzistischen Tendenzen verrohender Gesellschaften bilden könnten.

Benedikts Nachfolger(n) steht einiges bevor. Werden wir den ersten farbigen Papst kennenlernen? Eins steht felsenfest: eine Frau wird es diesmal nicht sein. Aber vielleicht beim nächsten Mal. Oder beim übernächsten. Hoffnung ist ja auch ein religiöses Prinzip…

Es gibt noch keine Kommentare

Kommentieren

Ihre Daten werden vertraulich behandelt.

Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

Close