Ein Greenpeace-Beitrag zum 300ten Geburtstags des Nachhatigkeitsbegriffs (http://blog.greenpeace.de/blog/2013/02/14/die-erfindung-der-nachhaltigkeit/) zeigt mal wieder, wie schön man Gewissensberuhigung betreiben kann: Label drauf, und gut. LOHAS, Neo-Ökologie, Slowfood, Bio oder eben Nachhaltigkeit – nicht immer ist das drin, was vermeintlich drin sein sollte.

Seit dem Architekturstudium verfolgt mich der Begriff, als im Vorfeld der EXPO 2000 nachhaltige Architektur und Städteplanung gerade in Hannover verstärkt diskutiert wurden. Plötzlich war alles nachhaltig konzipiert, geplant und gebaut. Im Fall der Weltausstellung hat es, verglichen mit anderen Veranstaltungen dieser Art, sogar teilweise funktioniert. Die anderen Teile verrotten in der Geisterstadt – wer den Stadtteil kennt oder schon mal bei IKEA am Expo-Park war, weiß, was ich meine. Nachhaltigkeit ist bei genauem Hinsehen meist eben nur relative Nachhaltigkeit.

Auch in meinem Arbeitsbereich ist “Nachhaltigkeit” nach und nach in Mode gekommen. Agenturen, Druckereien und Dienstleister bezeichnen sich immer öfter als “nachhaltig”, geben sich damit einen grünen Anstrich. Ein Bedürfnis nach Nachhaltigkeit ist erkannt worden und wird auch werblich genutzt. Trends bringen Skepsis im Handgepäck mit. Trotzdem nehme auch ich für mich in Anspruch, nachhaltiges Design zu betreiben und habe 2009 die “Charta für nachhaltiges Design” der AGD unterzeichnet.

Dahinter verbirgt sich der Gedanke, beim Designprozess auch ökologisch-soziale Zusammenhänge zu berücksichtigen und damit die gesellschaftliche Dimension von Design. Design ist mehr als bloße ästhetische Ausgestaltung. Die AGD hat es bei der Formulierung der “Charta” auf den Punkt gebracht: “Designerinnen und Designer sind in hohem Maße mitverantwortlich dafür, wie unsere Welt gestaltet wird. Design prägt, Design ist Vorbild und schafft neues Bewusstsein. Design verbraucht Ressourcen – manchmal mehr, manchmal weniger. Dem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen, mit der Umwelt und mit den Menschen, die noch über Generationen in dieser Welt leben können sollen, muss Design gerecht werden.” Weiter heißt es: “Wir begreifen nachhaltiges Design als Prozess. Nicht das 100%-nachhaltige Produkt steht im Vordergrund, sondern die schrittweise Verbesserung der bestehenden Produkte und Prozesse.”

Darum geht es. Nicht jedes Projekt und nicht jedes Produkt wird dem Anspruch auf echte Nachhaltigkeit vollständig und zu jeder Zeit genügen können. Die Aufgabe des Designers ist es aber, die Möglichkeiten und Prozesse zu kennen, zu bedenken und entsprechend zu beraten. Was heute nachhaltig bedacht wird, wird dann eines Tages vielleicht nachhaltig nachhaltig.

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