Wo ist nur die Zeit geblieben?*

* Gerade am Ende eines Jahres – in der traditionell wenig besinnlichen Adventszeit und in der Zeit « zwischen den Jahren » – stellen wir uns diese Frage. Aber auch zum Abschluss eines fröhlich verplauderten Abends ­­mit Freunden, einer langersehnten Urlaubsreise oder der arbeitstäglichen Mittagspause bemerken wir immer wieder, dass uns irgendwo Zeit abhanden gekommen ist. Entgegen der landläufigen Meinung liegt die Ursache dafür nicht in der menschlichen Zeitwahrnehmung – die Zeit fehlt tatsächlich.

Chronophagus vulgaris [gr.; lat.], der « gemeine Zeitfresser », hat sie verschlungen. Dieser zur Gruppe der Chronoplasten [gr.] gehörige Schädling ernährt sich bevorzugt von positiv angefüllter Zeit, die für ihn den größten Nährwert hat, und ist nicht zu verwechseln ­mit dem selten vorkommenden Nützling Chronophagus sympathicus, der sich ausschließlich von Langeweile ernährt. In seiner agressivsten Form (Chronophagus diabolicus) kann er in kürzester Zeit ganze Monate und sogar Jahre vertilgen.

Zuverlässig wirkende Mittel gegen den Zeitfresser sind bis heute nicht bekannt. Gelegentliches Innehalten und ein konsequentes Zeit­management können seine Fressgeschwindigkeit allenfalls verlangsamen.

Zum Jahreswechsel 2010/2011 erhielten Kunden und Geschäftspartner den kleinen Zeitfresser als Gruß in Form eines A2-Plakats mit rückseitigem Kalender.

Close