Als fleissiger Nutzer der Creative Cloud hat man schon den ein oder anderen Berührungspunkt mit Adobe. Adobe, die den Kreativtool-Markt mit eben dieser Creative Cloud revolutionieren wollen. Keine teuren Lizenzen, sondern das Komplettwohlfühlpaket wird an den Mann oder die Frau gebracht – eine Art Clubmitgliedschaft, die einem für eine monatliche Abosumme den Zugang zu allen Kreativtools und den neuesten Features zu jeder Zeit und an jedem Ort ermöglicht. Now-ism für Kreative, das heute schon funktioniert.

Was so mancher aber vielleicht nicht weiß: Adobe bietet mit der Marketing Cloud auch umfassende Lösungen fürs – vornehmlich digitale – Marketing an. Um etwas genauer in Erfahrung zu bringen, was es damit auf sich hat, habe ich die “Adobe Digital Marketing Days” besucht, die gestern Station in Köln gemacht haben. Und fand mich in einer à la Adobe gut organisierten Veranstaltung wieder, wo zwischen den erwartungsgemäß vielen Marketingvertretern aus Unternehmen und Agenturen allerdings unerwartet wenig Kreative unterwegs waren.

Das Marketing für die “Always on”-Gesellschaft ist komplex, hochvernetzt, multimedial und zwangsweise zum großen Teil digital. Wahnwitzige Datenmengen müssen, können und werden immer schneller verarbeitet, von eben diesen technischen Tools, die so mächtig und hochentwickelt sind, das manche Vortragenden selbst nicht immer den Anschein vermittelten, sie in der Tiefe wirklich zu verstehen. Geschweige denn die “Marketeers”, die abhängig sind von solchen technischen Hilfsmitteln, um den Anforderungen dieses Echtzeit-Marketing-Szenarios gewachsen sein zu können. Kooperative Spieltheorie wurde bemüht, Vergleiche zur Quantenphysik gezogen und ja, im heutigen Raum-Zeit-Kontinuum der Unternehmenskommunikation sind wir alle angesichts des Tempos und der Datenmengen hilflos ohne theoretische und mathematische Modelle und ihre Anwendung in den technischen Hilfsmitteln.

Unternehmen agieren oft nicht mehr aktiv, sondern reagieren auf die rasant wechselnden Anforderungen. Das bringt mit sich, dass sie der Technik auch dort vertrauen, wo es aus Designersicht nicht erwünscht ist. Die Automatisierung auch von Design schreitet voran. Die Verbindung von Kreativ- und Marketingtools wird immer stärker, wichtiger und möglicher. Und wo bleibt dort der Designer?

“Fakten statt Fabeln” war das Motto der Veranstaltung. Und mit genau diesen Fakten sollten sich auch Designer beschäftigen, die in der Unternehmenskommunikation tätig sind. Entwicklungen beobachten, über den Tellerrand schauen, interdisziplinär denken. Das Marketing-Geschwurbel belächeln und sich aufs “Schönmachen” und Gestaltungstrends konzentrieren, ist da zu einfach. Predictive Marketing ist eben nicht die Wettervorhersage für Marketeers, aber es funktioniert nach ähnlichen Prinzipien. Ich muss solche Prinzipien verstehen, die Notwendigkeiten, die Unternehmen und Marketingverantwortliche umtreiben, gesellschaftliche Veränderungen und Bedürfnisse wahrnehmen. Dann kann ich auch Designs entwickeln, die auf diese Bedürfnisse eingehen – gut, richtig und nachhaltig sind. Designs, die Entwicklungen aushalten, ausgleichen, überdauern oder ebenso flexibel reagieren können, wie die Media-Optimierungssoftware des Unternehmens. Designs, die weiterführen, vorausschauen und durch Kreativität neue Impulse geben. Denn kreativ ist die Maschine nicht.

Das war für mich, neben dem ein oder anderen Denkanstoß aus den Vorträgen und Case Studies, eine Erkenntnis des Tages. Und dass ich mich viel früher mit Social Media beschäftigt haben sollte und viel zu wenig Traffic und viel zu wenig Likes auf meiner Facebook-Seite habe: also hier klicken und liken!

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